Gefühle als Kompass

Gestern machte ich Frühstück und unterhielt mich währendessen mit zwei Freunden. Während ich Orangen ausquetschte, verlegten meine Gesprächspartner das Gespräch ins Wohnzimmer. Ja schönen Dank auch! Ich finde es richtig unverschämt, mitten im Gespräch einfach zu gehen! Damit schließen die beiden mich aus und ich kann mich nicht mehr beteiligen, bis die Orangen (die ich übrigens für uns alle drei ausquetsche!) fertig entsaftet sind. Gut, dann weiß ich ja jetzt, wie wichtig euch ist, dass ich....


Aber Moment Mal!


Richtig und falsch

Diese "Pause"-Taste zu drücken, finde ich am schwierigsten. Wenn ich sie verpasse, fokussiere ich mich meist auf die Anderen und was sie in meiner Vorstellung richtig oder falsch machen. Ich urteile über ihr Verhalten – und das führt meist zu Konflikten, denn niemand wird gerne beurteilt. Einfach während dem Gespräch gehen?! Das ist unfreundlich, egoistisch, gemein, unanständig und so weiter und so fort.

Beziehe ich mich allerdings auf meine eigenen Werte und versuche mich selbst zu verstehen, habe ich eine realistische Chance darauf, das Bedürfnis zu stillen und den Konflikt zu lösen.


Frage Nummer 1: Wie fühle ich mich gerade?

Alleine diese Frage zu beantworten ist gar nicht so leicht. Denn weder "Ich fühle mich ausgeschlossen", noch "Ich habe das Gefühl, ihr habt kein Interesse an meinem Beitrag zum Gespräch" beschreibt ein echtes Gefühl. Beides beinhaltet schon eine Interpretation. Und einen Vorwurf.

Erst wenn ich das Gefühl benennen kann, kann ich es auch zuordnen.

Ich fühle mich einsam und ungeduldig.


Frage Nummer 2: Was sagen mir diese Gefühle über meine eigenen Bedürfnisse?

Unsere Gefühle sind immer ein Kompass zu unseren eigenen Werten, Überzeugungen und Bedürfnissen.

In diesem Fall sagt mir meine Ungeduld und mein Einsamkeitsgefühl, dass ich das Bedürfnis habe, dazu zu gehören und mich mitzuteilen. Ich bin davon überzeugt, dass es mich glücklich macht, zu sozialen Gruppen dazu zu gehören und dass gemeinsame Gespräche ein Weg dahin sind. Geselligkeit scheint mir in dieser Situation als Wert also wichtig zu sein.

Frage Nummer 3: Wie können diese Bedürfnisse befriedigt werden?

Wie schaffe ich es jetzt also mein Bedürfnis zu befriedigen, ohne, dass ich die beleidigte Leberwurst spiele oder den anderen Vorwürfe mache?

Darauf gibt es viele Antworten. Um mein Mitteilungsbedürfnis und mein Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu stillen, könnte ich zum Beispiel eine geliebte Person anrufen oder mich in meiner liebsten Community dazu austauschen. In diesem Fall ist es wohl das einfachste, mich wieder am Gespräch zu beteiligen und loszuwerden, was ich eigentlich beitragen wollte.


Ich ging zu den anderen und sagte: "Ihr seid ins Wohnzimmer gegangen, während ich noch in der Küche zu tun hatte. Deshalb habe ich mich alleine gefühlt. Ich möchte gerne mitreden können und mich zugehörig fühlen. Könntet ihr noch einmal wiederholen, was ich verpasst habe, damit ich mich wieder am Gespräch beteiligen kann?"


- "Ja klar!"


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