Naturverbundenheit Teil 1 | Gastbeitrag Ananda World

Wie wirkt sich die Natur auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit aus? Was ist Naturverbundenheit und woher kommt sie?


Auf der Erde wird es lauter. In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt. Wälder und Grünflächen weichen. Immer mehr Menschen ziehen in Städte. Die Terminkalender sind voll und Erholung wird oft nur einmal im Jahr auf der Strandliege praktiziert.


Natur wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf unsere Gesundheit aus: körperlich, sozial und mental. Bereits ein Spaziergang im Grünen und sogar der bloße Anblick der Natur, reichen aus, um Cortisol Werte (Stresshormone) und den Pulsschlag signifikant zu senken. Bei Büroangestellten trägt die Aussicht ins Grüne zur Abnahme von Kopfschmerzen und Unwohlsein nachweislich bei.


Körperliches Wohlbefinden

Natur bietet Anreiz zur Bewegung und Raum für Erholung. Das wirkt sich zum einen positiv auf Krankheiten wie Diabetes, Übergewicht und des Herz-Kreislaufsystems aus, zum anderen sinkt das Risiko an Krebs zu erkranken. Erwachsene Menschen, die körperlich aktiv sind, haben ein 20-30 % niedrigeres Sterblichkeitsrisiko als körperlich inaktive Menschen. Nach einer Erkrankung, oder Verletzung, hilft Natur-erleben auch bei der körperlichen Regeneration. Für diese Studie wurden in Krankenhäusern die Genesung zwischen Patienten mit Blick aufs Grüne und Patienten mit Blick auf eine Wand verglichen.

Soziales Wohlbefinden

Die Natur erfüllt essenzielle soziale Funktionen, die ganz besonders für die Entwicklung von Kindern wichtig sind. Natur-erleben fördert motorische, kognitive und soziale Kompetenzen. Kinder in Wald-Kindergärten weisen eine höhere Aufmerksamkeitskapazität auf, als Kinder in Kindergärten mit verbauter Umgebung. Fähigkeiten zur Problemlösung, Kreativität und die soziale Entwicklung werden durch das ‘freie Spielen’ in der Natur gefördert.

Das gilt auch für erwachsene Menschen. Die Natur bietet uns Raum zur Reflexion, zum sozialen Austausch und gibt Anreiz zur Bewegung. Genutzt wird das zum Beispiel in Therapiegärten. Das gemeinsame Natur-erleben wirkt als Vermittler zwischen Menschen und stützt deren Interaktionen.

Mentales Wohlbefinden

Vor allem durch die Vermeidung von Stress und die Reduzierung von Niedergeschlagenheit verbessert die Natur unser mentales Wohlbefinden. Aber warum ist das so? Warum empfinden wir in der Natur dieses Gefühl von ‘richtig-sein’? Warum geht es uns nach einem Spaziergang im Grünen gleich so viel besser?

Verschiedene Theorien und Ansätze beschäftigen sich mit dieser Frage.


Theorie 1: Unsere Herkunft

Die Biophilia-Hypothese von Edward O. Wilson besagt, dass uns Menschen die emotionale Bindung zur Natur angeboren und damit ein Teil unserer genetischen Ausstattung ist. Diese 'Biophilie', die Liebe zur Natur und das Bedürfnis die Natur zu erleben, ist im Evolutionsprozesses entstanden. Ein Urzeit-Mensch, der seine natürliche Umgebung gut kannte, hatte einen klaren Überlebensvorteil und war in der Lage, sich besser an seine Umwelt anzupassen.


Theorie 2: Handlungsentlastende Räume

Die Attention-Restoration-Theory von Kaplan und Kaplan zeigt, dass die Natur wie für uns gemacht ist, um einen Ausgleich zum alltäglichen Arbeitsleben zu schaffen. All die Eindrücke, die 'direkte' Aufmerksamkeit und Fokus verlangen, wie zum Beispiel das Arbeiten am Bildschirm, oder das Autofahren in dichtem Verkehr, sind eine große Anstrengung für das menschliche Hirn. Nach einiger Zeit sind wir erschöpft. Das kennen wir wohl alle. Dem entgegen wirken sogenannte handlungsentlastende Räume, die uns Erholung bieten - wie beispielsweise die Natur. Ein Tier, eine Landschaft, oder einen fließenden Bach zu betrachten bedarf nur 'indirekte' Aufmerksamkeit und ist nicht anstrengend. Sie ist unfreiwillig, passiert ganz automatisch und kann am besten mit Faszination beschrieben werden.

Theorie 3: Natur ist Sicherheit

Die psychophysiologische Stress-Recovery-Theory hält die positive Reaktion von Natur auf den Mensch ebenfalls für angeboren. Begründet wird dies durch einen auftretenden Entspannungsreflex vom limbischen System bei einer gestressten Person. Die Entspannung tritt ein, wenn der Gestresste von einer natürlichen Landschaft umgeben ist, die Sicherheit vermittelt. Evolutionär geprägt, wirken offene Landschaften mit geschwungenem Horizont und einem Wasserkörper als besonders sicher. Ulrich weist in seiner Theorie auf die Ähnlichkeit einer idealtypischen Landschaft und der ostafrikanischen Savanne hin. Hier hat sich die menschliche Spezies entwickelt. Aus diesem Grund ist dieser Erklärungsansatz auch als 'Savannen-Theorie' bekannt.

In einem zweiten Teil gibt es nächste Woche jede Menge Tipps und Ideen, wie du mehr Verbundenheit in deinen Alltag bringen kannst: in der Natur oder zu Hause. Bis dahin freue wir uns über eure Fragen und Kommentare.


Autoreninformation

Hallo, wir sind Madeline & Michi und bereits seit 2014 gemeinsam auf der Suche nach Abenteuer, Freundschaft & Erkenntnis.


Im Jahr 2018 hingen wir unsere Jobs an den Nagel, um noch mehr Zeit für die Dinge zu haben, die uns wichtig sind und am Herzen liegen. In dieser Zeit reisten wir viel umher. Besonders prägend war die Zeit auf einer nepalesischen Farm und unsere Ranger-Ausbildung in Südafrika. Unsere persönliche Geschichte und Entwicklung zu mehr Naturverbundenheit findest du auch bald auf unserem Blog Ananda World.


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